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Jemand hat mal gesagt, der Privatdetektiv sei der Held unserer Zeit, die investigative Tätigkeit das herrschende Narrativ. Und ich merke das andauernd bei mir selber (der ich Kriminalromane nicht lese und mich auch für Verbrechen nicht interessiere – fast immer entpuppen sie sich in ihrer Erwartbarkeit, in ihrer braven Aufklärbarkeit eben doch als eher trivial). Aber: Wie ich mir immer wieder überlege, wie es mit einer Sache, die mich nicht loslässt, dahin kommen konnte, und wieso ich es nicht vorausgesehen habe, und wie sie mich beschäftigt hält. Wie ich meine Aufmerksamkeit übe, indem ich beiläufig das Leben um mich herum beobachte und kleine und große Muster darin erkennen und mit meinen abgleichen kann. Wie ich mir Strategien überlege, um in müßig angestoßenen Abenteuern meine Züge zu machen, obwohl es mir über ein kurzes Obsiegen hinaus kaum je wirklich ums Gewinnen geht.

Und was sonst angesichts der Überkomplexität der Welt soll einen beschäftigter halten als die Indizienarbeit der Klarwerdung über die eigene Person? Der Detektiv erlebt sich in der Spürarbeit auf einen komplexen, im Ergebnis aber dann fast immer eher engen Sachverhalt bezogen, und tatsächlich ist er damit die ganze Zeit, als perspektivische Instanz, die Welt hindurch einen unausgedeuteten Zusammenhang in einen Brennpunkt zu nehmen, auch auf der Spur, sich selber zu verlieren – eine Allegorie der simplen Vielewerdung eines jeden -, und damit wieder verstetigt auf dem Weg zu sich selbst. Fast ist er eine Personifizierung moderner Lebensführung.

Und außerdem stärkt er die Vorstellung, dass es, wenn schon kaum mehr Gewissheiten, überhaupt immer noch etwas Wissbares, etwas eindeutig zu Machendes gibt. (Nur die Wahrheit, die bleibt notwendig an zeitweise, an zugespitzte Umstände gebunden und muss bald darauf wieder von Neuem gesucht werden: Sie bleibt letztlich verborgen.)

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